Seit Oktober 2006 laufen auf der Deponie Tonnenmoor II im niedersächsischen Vechta die Bauarbeiten zur Herstellung der endgültigen Oberflächenabdichtung. Die bis 2007 abzudichtende Gesamtfläche von ca. 103.000 m² wird mit dem Dichtungskontrollsystem geologger®
ausgerüstet und überwacht.
Für den Auftraggeber, die Abfallwirtschaftsgesellschaft Vechta (AWV), aber auch für PROGEO ist diese Deponiestilllegung ein Projekt der besonderen Art. Erstmals wird hier unter anderem eine neue Anwendungsvariante des Dichtungskontrollsystems geologger®
eingesetzt. Auf einer Teilfläche von ca. 40.000 Quadratmetern (das so genannte Los 2) erfolgt bis Ende 2006 die Nachrüstung einer bereits bestehenden temporären Deponieabdichtung (Dichtungselement: HDPE-Bahn, 2,5 mm BAM) durch ein Dichtungskontrollsystem zur endgültigen Oberflächenabdichtung. Dabei ist der von der zuständigen Überwachungsbehörde, dem Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg, im Hinblick auf die vorhandene Kunststoffdichtungsbahn zwingend geforderte, beschädigungsfreie Einbau des Dichtungskontrollsystems gewährleistet. Die Funktionsfähigkeit dieser besonderen geologger®-Anwendung auf dem Standort Tonnenmoor II wurde am 16. Oktober 2006 in einem Probefeld erfolgreich nachgewiesen.
Im Frühjahr 2007 beginnt dann die Abdichtung des bisher noch ungesicherten Deponieplateau von ca. 63.000 Quadratmetern (Los 1), ebenfalls mit der einlagigen „aktiven Sicherheitsdichtung“ aus HDPE-Bahn (2,5 mm BAM) und (dieses Mal „klassisch“ verlegtem) geologger-System.
Über die bisherigen Erfahrungen und weiteren Erwartungen mit bzw. an geologger befragten wir den Geschäftsführer der AWV, Dipl.-Ing. Clemens Nüske:

Wie sind Sie auf geologger® aufmerksam geworden?
Mitte der 90er Jahre ist mir erstmals ein Prospekt und ein Bericht in einer Fachzeitschrift über geologger® auf den Schreibtisch gekommen. Der Einbau von geologger auf der Deponie Wesuwe im Landkreis Emsland hat dann mein konkretes Interesse geweckt.
Wie kam es zur Entwicklung der neuen geologger® -Anwendung?
Im Rahmen der Stilllegung unserer Deponie hatten wir uns für die noch abzudichtenden Bereiche grundsätzlich für den Einbau eines DKS entschieden. Für das bereits temporär gedichtete Teilfeld der Deponie standen wir seinerzeit vor der Aufgabe, dieses mit einer endgültigen Dichtung zu versehen. Aus Kostengründen haben wir nach einer Alternative zum nachträglichen Einbau einer mineralischen Dichtung gesucht.
Anlässlich eines Seminars war ich auf die theoretische Möglichkeit einer inversen Anordnung des DKS geologger®
aufmerksam worden. Diesen gedanklichen Ansatz haben wir dann aufgegriffen und mit Hilfe von PROGEO konsequent weiterverfolgt, bis wir auch die zuständigen Behörden von der großtechnischen Machbarkeit überzeugt hatten.
Mit welchen Argumenten konnte die zuständige Genehmigungsbehörde überzeugt werden?
Entscheidend war einerseits dass die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung nach § 14 Abs. 6 der Deponieverordnung gegeben waren. Für die klassische Anordnung eines DKS im noch abzudichtenden Bereich der Deponie konnten wir daher mit der Genehmigungsbehörde relativ schnell ein Einvernehmen erzielen.
Problematischer war die Nachrüstung der temporären Dichtung, da es vergleichbare Anwendungen auf Deponien bislang nicht gab. Wir haben uns daher gemeinsam mit einem Vertreter der ZUS AWG (Hildesheim) ein Testfeld bei PROGEO in Großbeeren angesehen. Mit den Ergebnissen aus dem Testfeld und mit Unterstützung der ZUS AWG konnten wir das zuständige Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg von der Gleichwertigkeit der oben liegenden Messkabelanordnung überzeugen.
Bietet Ihnen die Herstellung der einlagigen „Aktiven Sicherheitsdichtung im Vergleich zur gängigen Kombinationsabdichtung Vorteile?
Aufgrund der leichten Zugänglichkeit bietet uns die aktive Sicherheitsdichtung an der Deponieoberfläche objektive Sicherheit – wir können uns vergewissern, ob die Dichtung dicht ist und entsprechend danach handeln, statt einfach nur darauf zu vertrauen, dass das Regelsystem Kombinationsdichtung wirklich dauerhaft dicht bleibt. Darüber hinaus bietet das DKS Vorteile bei der Herstellung, da der Einbau im Gegensatz zur mineralischen Dichtung praktisch witterungsunabhängig ist und deutlich weniger Überwachungsaufwand erfordert. Last not least stellt natürlich der Kostenfaktor einen entscheidenden Vorteil dar.
Ergibt sich für Sie als Deponiebetreiber durch den Einsatz von geologger® ein Nutzen für den langen Zeitraum der Deponienachsorge?
Zur Beantwortung dieser Frage müssen zwei Fallkonstellationen betrachtet werden.
Wir gehen natürlich zunächst einmal davon aus, dass die Kunststoffdichtungsbahn dauerhaft ohne Beschädigungen bleibt und ihre Funktion erfüllt. In diesem Fall erhoffen wir uns, dass die Voraussetzungen für eine Entlassung aus der Nachsorge durch langjährig dokumentierte Nachweise der Dichtigkeit der Oberflächenabdichtung positiv beeinflusst werden.
Im anderen Fall unterstellen wir, dass die KDB aus welchen Gründen auch immer eine Beschädigung erfährt, die oberflächlich visuell nicht wahrnehmbar ist. Mit dem DKS sind wir in der vorteilhaften Lage, auch solche Undichtigkeiten zeitnah festzustellen, zu orten und Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ohne DKS wäre ein Loch nur über indirekte Merkmale (z. B. den Gas- oder Wasserpfad) mit größerer zeitlicher Verzögerung erkennbar. Reparabel wäre es darüber hinaus erst nach erheblichem Suchaufwand.
Nach welchen Kriterien erfolgte die Auswahl des geeigneten Dichtungskontrollsystems?
Zunächst haben wir selbstverständlich auf das Vorliegen eines BAM-Eignungsgutachtens und die AK DKS-Konformität geachtet. Im Hinblick auf unverzichtbare Systemeigenschaften, wie z.B. Langlebigkeit oder Reparierbarkeit, war für uns weiterhin die Anwendung der für den Bereich Nachrichtentechnik gültigen allgemeinen Regeln der Technik durch den Anbieter wichtig.
Ganz entscheidend waren jedoch die Vorgaben für die Nachrüstung des DKS im Bereich der temporären Dichtung. Um die Zustimmung der Genehmigungsbehörde zu erlangen, war ein wesentlicher Aspekt, dass der Einbau des DKS – bis auf die vorgeschriebenen Funktionsfähigkeitsprüfungen – ohne Zerstörung der Kunststoffdichtungsbahn erfolgen muss, d. h. dass sämtliche Elektroden ausschließlich oberhalb der Dichtung verlegt werden müssen. Dies konnte uns nur von PROGEO für das System geologger®
zugesichert werden.
Spielte dabei auch die Bewertung des Herstellerunternehmens eine Rolle?
Im Rahmen der Angebotsauswertung haben wir auch objektivierbare Kriterien für die Bewertung der Hersteller, wie z. B. die technische und ökonomische Leistungsfähigkeit und Referenzen herangezogen. Die produktbezogenen Kriterien standen jedoch im Vordergrund.
Sehen Sie Schwachpunkte bei der „Aktiven Sicherheitsdichtung“ bzw. beim geologger®-System?
Ich sehe derzeit keine ausgesprochenen Schwächen. Bestimmte Voraussetzungen für den Einsatz des Systems, wie z. B. die Optimierung der isolatorischen Randbedingungen, betrachte ich eher als Aufgabe, die bautechnisch gelöst werden muss und kann. Die fehlenden Langzeiterfahrungen zu sammeln, wollen wir gern unseren Beitrag beisteuern.
Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit PROGEO und den bisherigen Verlauf der Bauausführung?
Mit der Nachrüstung der temporären Dichtung mit geologger® haben wir Neuland betreten. Deshalb sind erwartungsgemäß zu Beginn einige Fragen einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Die Zusammenarbeit mit PROGEO gestaltet sich dabei angenehm, sehr kooperativ und am Erfolg der Maßnahme orientiert. In Anbetracht des kürzlich erfolgreich abgeschossenen Probefeldes sind wir mit dem Verlauf der Arbeiten sehr zufrieden. Wir sind zuversichtlich, dass die Nachrüstung der temporären Dichtung wie geplant bis zum Jahresende abgeschlossen sein wird.






